Petit Parisien - Mercedes GLA neu gegen alt: Der große Sprung ins Elektrozeitalter

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Mercedes GLA neu gegen alt: Der große Sprung ins Elektrozeitalter
Mercedes GLA neu gegen alt: Der große Sprung ins Elektrozeitalter

Mercedes GLA neu gegen alt: Der große Sprung ins Elektrozeitalter

Mit der dritten Generation vollzieht Mercedes-Benz beim GLA weit mehr als einen gewöhnlichen Modellwechsel. Aus dem bislang überwiegend mit Benzin-, Diesel- und Plug-in-Hybridantrieben angebotenen Kompakt-SUV wird zum Marktstart ein konsequent elektrisch ausgerichtetes Fahrzeug. Im November 2026 kommen zunächst drei batterieelektrische Varianten auf den Markt. Elektrifizierte Benzinmodelle folgen Anfang 2027.

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Damit verändert sich nicht nur die Antriebstechnik. Der GLA erhält eine neue Fahrzeugarchitektur, wächst spürbar, wird digitaler und rückt in seiner Erscheinung näher an die größeren SUV-Modelle der Marke. Der bekannte Modellname deckt erstmals auch den reinen Elektroantrieb ab. Mercedes-Benz macht damit deutlich, dass elektrische Fahrzeuge nicht länger als separate Nebenlinie behandelt werden, sondern in das klassische Modellprogramm hineinwachsen.

Vom kompakten Crossover zum erwachsenen SUV
Die erste Generation des GLA kam 2013 auf den Markt und war äußerlich noch eng mit der damaligen A-Klasse verwandt. Ihre flache Dachlinie, die geringe Bodenfreiheit und die vergleichsweise niedrige Sitzposition ließen sie eher wie einen höhergelegten Kompaktwagen erscheinen. Die zweite Generation von 2020 änderte diesen Charakter grundlegend. Sie wurde höher, geräumiger und deutlich stärker als SUV positioniert.

Der nun vorgestellte dritte GLA setzt diese Entwicklung fort, verändert jedoch die Proportionen erneut. Mit einer Länge von 4,565 Metern ist er je nach Vergleichsversion rund 13 bis 16 Zentimeter länger als die bisherige Baureihe. Der Radstand wächst um 61 Millimeter auf 2,790 Meter. Gleichzeitig fällt die Karosserie flacher aus, während die Spur verbreitert wurde. Das Fahrzeug wirkt dadurch gestreckter, satter und weniger hochbeinig.
Besonders auffällig ist die neue Front. Die elektrische Ausführung trägt einen großflächigen, geschlossenen Kühlergrill mit 608 hinterleuchteten Lichtpunkten. In höheren Ausstattungslinien können sowohl die Umrandung als auch die Fläche des Grills illuminiert werden. Sternförmige Elemente in den Scheinwerfern und Rückleuchten übertragen die aktuelle Mercedes-Designsprache auf das kompakte SUV-Segment.

Der Vorgänger erscheint im direkten Vergleich zurückhaltender. Seine runderen Flächen und der klassische Kühlergrill wirken vertraut, zugleich aber weniger eigenständig. Der neue GLA tritt bewusster als Lifestyle-Produkt auf. Ob die starke Lichtinszenierung dauerhaft elegant oder in manchen Konfigurationen überladen wirkt, dürfte von Farbe und Ausstattung abhängen. Insbesondere dunkle Varianten lassen die Technik optisch stärker mit der Karosserie verschmelzen.

Mehr Platz, aber eine differenzierte Kofferraumbilanz
Das Wachstum kommt vor allem den Passagieren zugute. Fahrer und Beifahrer erhalten sieben Millimeter mehr Beinfreiheit. In der zweiten Reihe steigt sie um 38 Millimeter. Auch die Kopffreiheit nimmt zu, vorne um 23 Millimeter und im Fond um 24 Millimeter. Damit behebt Mercedes-Benz einen der Schwachpunkte des bisherigen GLA, dessen Rückbank für größere Erwachsene nur begrenzt langstreckentauglich war.

Beim Gepäckraum fällt der Vergleich weniger eindeutig aus. Der neue elektrische GLA fasst hinter den Rücksitzen 410 Liter. Beim konventionell angetriebenen Vorgänger waren je nach Ausführung bis zu 435 Liter möglich. Mit umgelegten Rücksitzlehnen stehen im neuen Modell bis zu 1.400 Liter bereit, während die bisherige Generation maximal etwa 1.430 Liter aufnehmen konnte.

Der elektrische GLA gleicht diesen leichten Rückgang durch einen zusätzlichen Gepäckraum unter der Fronthaube aus. Dieser sogenannte Frunk fasst 107 Liter und bietet ausreichend Platz für Ladekabel, Einkaufstaschen oder einen kleinen Kabinentrolley. Bei aufgestellten Rücksitzen ergeben sich damit insgesamt 517 Liter Stauraum, allerdings auf zwei getrennte Bereiche verteilt. Für den Alltag ist das ein praktischer Fortschritt, auch wenn ein großer zusammenhängender Kofferraum flexibler bleibt. Die Rücksitzlehnen sind serienmäßig im Verhältnis 40 zu 20 zu 40 geteilt. Der variable Ladeboden erleichtert den Transport größerer Gegenstände. Die elektrische Allradversion darf zudem gebremste Anhänger mit einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen ziehen. Die heckgetriebenen Modelle erreichen bis zu 1,5 Tonnen.

Das Cockpit wird zur digitalen Schaltzentrale
Im Innenraum ist der Generationswechsel noch deutlicher als außen. Der bisherige GLA setzte auf zwei nebeneinander angeordnete Bildschirme mit einer Diagonale von jeweils bis zu 10,25 Zoll. Dieses Konzept war bei seinem Marktstart modern, wirkt im Vergleich zum neuen Modell jedoch zunehmend konventionell.

Im neuen GLA spannt sich auf Wunsch der MBUX Superscreen über nahezu die gesamte Breite des Armaturenbretts. Hinter der gemeinsamen Glasfläche befinden sich ein 10,25 Zoll großes Fahrerdisplay, ein 14 Zoll großer Zentralbildschirm und ein weiterer 14-Zoll-Bildschirm für den Beifahrer. Wird das Beifahrerdisplay nicht bestellt, setzt eine beleuchtbare Dekorfläche die gläserne Optik fort. Die Zahl klassischer Schalter sinkt weiter. Mercedes-Benz reagiert jedoch auf die Kritik an rein berührungsempfindlichen Bedienelementen. Am neuen Lenkrad kehren ein mechanisch wirkender Lautstärkeregler und eine Wippe für Geschwindigkeitsbegrenzer und Abstandsregelung zurück. Die übrigen Bedienfelder bleiben kapazitiv, geben aber eine fühlbare Rückmeldung.

Das Infotainmentsystem basiert auf dem neuen Mercedes-Benz Operating System. Der virtuelle Assistent kann komplexere Gespräche führen, sich Details innerhalb eines Dialogs merken und unterschiedliche Dienste miteinander verbinden. Dazu werden unter anderem Technologien von ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini eingesetzt. Die Navigation basiert auf Google Maps und kann Ladesäulen, deren Ladeleistung sowie verfügbare Parkplätze in die Routenplanung einbeziehen.
Der technische Fortschritt ist erheblich. Dennoch bleibt die Frage, ob drei Bildschirme im Alltag tatsächlich einen größeren Nutzen bieten oder vor allem als sichtbares Luxussignal dienen. Die Rückkehr einzelner physischer Bedienelemente zeigt, dass eine vollständig berührungsgesteuerte Bedienung nicht in jeder Situation überzeugend ist.

Drei Elektroantriebe zum Marktstart
Den größten Unterschied zum Vorgänger bildet die Antriebspalette. Während die zweite Generation mit Benzin-, Diesel-, Mildhybrid- und Plug-in-Hybridtechnik erhältlich war, startet der neue GLA zunächst ausschließlich elektrisch. Das Basismodell GLA 200 electric leistet 165 Kilowatt beziehungsweise 224 PS. Es verfügt über Hinterradantrieb und eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit 58 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität. Die Reichweite liegt je nach Ausstattung zwischen 394 und 447 Kilometern nach WLTP. An einer geeigneten Schnellladesäule sind bis zu 200 Kilowatt möglich.

Darüber positioniert sich der GLA 250+ electric mit 200 Kilowatt beziehungsweise 272 PS. Seine Nickel-Mangan-Kobalt-Batterie stellt 85 Kilowattstunden nutzbare Energie bereit. Die Reichweite beträgt zwischen 577 und 657 Kilometern. Damit wird diese Version voraussichtlich die interessanteste Wahl für Kunden sein, die den GLA regelmäßig auf längeren Strecken einsetzen. Das vorläufige Spitzenmodell GLA 350 4MATIC electric verfügt über zwei Elektromotoren, Allradantrieb, 260 Kilowatt beziehungsweise 354 PS und ein maximales Drehmoment von 515 Newtonmetern. Der Sprint auf Tempo 100 dauert 5,4 Sekunden. Trotz der höheren Leistung erreicht das Modell noch zwischen 555 und 643 Kilometer nach WLTP.

Alle drei Elektrovarianten sind auf eine Höchstgeschwindigkeit von 210 Kilometern pro Stunde begrenzt. Eine weitere Version mit einer 71 Kilowattstunden großen Batterie soll Anfang 2027 folgen und die große Lücke zwischen dem Einstiegsakku und der 85-Kilowattstunden-Batterie schließen.

800-Volt-Technik mit einem wichtigen Detail
Die beiden Modelle mit großer Batterie können an geeigneten 800-Volt-Ladesäulen mit bis zu 320 Kilowatt laden. Der Ladezustand soll sich in rund 22 Minuten von zehn auf 80 Prozent erhöhen lassen. Innerhalb von zehn Minuten können unter günstigen Bedingungen bis zu 270 Kilometer zusätzliche Reichweite nachgeladen werden.
Der GLA 200 electric bleibt mit maximal 200 Kilowatt darunter, benötigt wegen seiner kleineren Batterie aber ebenfalls nur etwa 20 Minuten von zehn auf 80 Prozent. Serienmäßig ist ein 11-Kilowatt-Ladegerät für Wechselstrom an Bord. Ein 22-Kilowatt-Lader wird optional angeboten.

Für die praktische Nutzung ist ein weiteres Ausstattungsdetail entscheidend. Wer den GLA auch an 400-Volt-Gleichstromsäulen laden möchte, muss den dafür vorgesehenen DC-Konverter berücksichtigen. Dieser gehört nicht automatisch bei jeder Ausführung zum Serienumfang. Käufer sollten die Ladekonfiguration deshalb genauer prüfen, statt sich allein an der maximalen Leistung von 320 Kilowatt zu orientieren. Auch das Gewicht zeigt die Kehrseite der neuen Technik. Je nach Version bringt der elektrische GLA zwischen 2.145 und 2.235 Kilogramm auf die Waage. Das ist für ein kompaktes SUV erheblich. Die zulässige Zuladung liegt bei 480 Kilogramm. Vier Erwachsene samt Urlaubsgepäck können diesen Wert bereits weitgehend ausschöpfen.

Der niedrige Luftwiderstandsbeiwert von 0,27 und der effiziente Elektroantrieb begrenzen den Energieverbrauch dennoch auf offiziell 14,8 bis 17,6 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Ob diese Werte auch auf der Autobahn und bei niedrigen Temperaturen erreichbar bleiben, werden unabhängige Praxistests zeigen müssen.

Der Hybrid bleibt, der Diesel verschwindet vorerst
Anfang 2027 erweitert Mercedes-Benz das Angebot um elektrifizierte Benzinvarianten. Zum Einsatz kommt ein neu entwickelter 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbomotor in Verbindung mit einem 48-Volt-System. Ein Elektromotor mit 22 Kilowatt ist direkt in das neue Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert. Die Batterie verfügt über eine Kapazität von bis zu 1,3 Kilowattstunden. Bei geringer Belastung kann der Hybrid im Stadtverkehr kurze Abschnitte rein elektrisch zurücklegen. Auch elektrisches Segeln bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde ist möglich, sofern nur wenig Antriebsleistung benötigt wird. Beim Verzögern können bis zu 25 Kilowatt zurückgewonnen werden.

Zunächst sind zwei Leistungsstufen mit Front- und Allradantrieb vorgesehen. Ein Diesel sowie ein klassischer Plug-in-Hybrid gehören bislang nicht zum angekündigten Programm der neuen Generation. Für langjährige GLA-Kunden ist das eine deutliche Zäsur. Gerade die sparsamen Dieselausführungen des Vorgängers waren bei Vielfahrern und Flotten beliebt.

Mit dem später folgenden Hybrid hält Mercedes-Benz jedoch eine Brücke für Käufer offen, die noch nicht vollständig auf einen Elektroantrieb wechseln möchten. Diese zweigleisige Strategie reduziert das Marktrisiko und unterscheidet den GLA von Fahrzeugen, die ausschließlich batterieelektrisch angeboten werden.

Moderater Grundpreis, kostspielige Optionen möglich
Der neue GLA kann in Deutschland seit dem 30. Juli 2026 bestellt werden. Die Markteinführung ist für November vorgesehen. Der GLA 200 electric startet bei 48.599,60 Euro. Für den GLA 250+ electric werden mindestens 54.978 Euro verlangt. Der GLA 350 4MATIC electric kostet ab 58.107,70 Euro.

Der bisherige GLA 200 lag zuletzt bei rund 46.558 Euro. Der rechnerische Unterschied zum neuen elektrischen Einstiegsmodell beträgt damit nur gut 2.000 Euro. Ein direkter Vergleich bleibt allerdings schwierig, da der neue GLA deutlich mehr Leistung bietet und bereits über einen vollständigen Elektroantrieb verfügt.
Entscheidend wird deshalb der Preis einer praxisgerecht ausgestatteten Konfiguration sein. Ein 22-Kilowatt-Ladegerät, der Konverter für 400-Volt-Schnellladesäulen, der MBUX Superscreen, erweiterte Assistenzsysteme und höherwertige Ausstattungslinien können den Endpreis spürbar erhöhen. Der attraktive Grundpreis dürfte daher nur einen Teil der tatsächlichen Marktposition abbilden.

Ein Generationswechsel mit klarer strategischer Botschaft
Im direkten Vergleich ist der neue GLA das modernere, geräumigere und technisch anspruchsvollere Fahrzeug. Seine elektrische Reichweite, die 800-Volt-Architektur und das hohe Ladetempo verschieben ihn weit über das hinaus, was der bisherige GLA und der technisch verwandte EQA leisten konnten. Der Vorgänger behält dennoch nachvollziehbare Vorteile. Er ist leichter, bietet eine größere Auswahl klassischer Antriebe und spricht Kunden an, die eine einfachere Bedienung oder einen Diesel bevorzugen. Zudem dürfte er nach dem Modellwechsel als Gebrauchtwagen deutlich günstiger verfügbar sein.

Der neue GLA ist deshalb nicht nur die nächste Entwicklungsstufe eines erfolgreichen Kompakt-SUV. Er steht für eine neue Produktlogik bei Mercedes-Benz. Der Elektroantrieb rückt an die erste Stelle, während der Verbrennungsmotor zur später folgenden Alternative wird. Gleichzeitig wächst das Fahrzeug aus seiner bisherigen Einstiegsrolle heraus und nähert sich bei Raumangebot, Technik und Preis der nächsthöheren Klasse. Ob diese Strategie aufgeht, hängt weniger von den eindrucksvollen Spitzenwerten als von der Alltagseffizienz, der tatsächlichen Ladeleistung, der Softwarequalität und den realen Verkaufspreisen ab. Technisch ist der Fortschritt unübersehbar. Wirtschaftlich muss der neue GLA nun beweisen, dass sich der Sprung ins Elektrozeitalter auch für eine breite Kundschaft rechnet.