Berliner CSD-Verein warnt nach Anschlag vor Spaltung und Hass gegen Muslime
Der Berliner CSD-Verein hat nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in der Bundeshauptstadt vor einer Instrumentalisierung der Tat gegen Muslime gewarnt. "Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung", erklärte der Vorstand am Montag. Zugleich stelle man sich "jedem Versuch entgegen", die Tat für Hass gegen Muslime und Menschen bestimmter Herkunft zu "instrumentalisieren".
Zudem rief der Verein zur Besonnenheit auf. "Hinter solcher Gewalt steckt der Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen", hieß es in der Erklärung weiter. "Das werden wir nicht zulassen." Der CSD stehe für "Zusammenhalt, Respekt und Solidarität". Die Organisatoren betonten: "Wir bleiben laut, wir lassen uns nicht zurückdrängen."
Der Verein äußerte sich "bestürzt und unendlich traurig" über den Anschlag am Samstagabend. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen sowie allen Menschen, die von diesem schrecklichen Ereignis betroffen sind", hieß es weiter.
Der Vorstand sei am Samstag kurz nach 22.00 Uhr von der Polizei über eine sogenannte Gefahrenlage im Umfeld der Abschlusskundgebung des Berliner CSD informiert worden. Daraufhin habe der Vorstand die Kundgebung "sofort abgebrochen", das Bühnenprogramm und der Betrieb der Versorgungsstände seien "umgehend eingestellt" worden.
Die Besucher wurden demnach über Anzeigen und Ansagen aufgefordert, das Gelände geordnet in Richtung Brandenburger Tor zu verlassen. Dem seien die Besucher "zügig, ruhig und ohne weitere Vorkommnisse" gefolgt.
Dass die Evakuierung ohne Zwischenfälle abgelaufen sei, führte der Verein auf ein zuvor mit Polizei, Feuerwehr, Bundespolizei und weiteren Stellen abgestimmtes Sicherheitskonzept zurück. Den Einsatzkräften und Helfern dankte der Verein für ihr "schnelles und professionelles Handeln".
Am Rande des Berliner CSDs hatte es am Samstagabend einen Anschlag gegeben. Ein laut Behörden mutmaßlich islamistisch motivierter 21-Jähriger fuhr mit einem Auto in der Nähe des Festivalbereichs am Brandenburger Tor in eine Menschenmenge und attackierte weitere mit einer Stichwaffe. Eine Frau starb, 29 weitere Menschen wurden dabei teilweise schwerst verletzt.
Der Verdächtige wurde nach rund 20-stündiger Flucht am Sonntagabend von Spezialkräften bei einem Einsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin erschossen. Laut Polizei war er mit einer Stichwaffe auf Einsatzkräfte zugelaufen. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittelungen in dem Fall.
O.Blanchard--PP