Wadephul fordert mehr Bestellungen der Ukraine bei deutscher Rüstungsindustrie
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat von der Ukraine mehr Bestellungen bei der deutschen Rüstungsindustrie gefordert. Deutschland sei mittlerweile der stärkste Unterstützer der Ukraine, sagte Wadephul in dem am Dienstagabend veröffentlichten Podcast "Ronzheimer". "Und es muss naturgemäß so sein, dass die deutsche Verteidigungsindustrie davon profitiert." Der CDU-Politiker wies zudem Äußerungen seines russischen Kollegen Sergej Lawrow zu angeblichen deutschen Kriegsabsichten nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle scharf zurück.
"Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir nicht ganz zufrieden mit dem, was es an Bestellungen in Deutschland gibt", sagte Wadephul. Er habe über die aus seiner Sicht nicht ausreichenden ukrainischen Bestellungen auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei seinem jüngsten Besuch in Kiew gesprochen, fügte der Bundesaußenminister hinzu.
Wadephul stimmte zudem der Forderung von CSU-Chef Markus Söder zu, dass ukrainische Männer im wehrfähigen Alter aus Deutschland in die Ukraine zurückkehren sollten. Die deutsche Regierung wisse zum Beispiel anhand von Meldedaten, wer sich in der Bundesrepublik aufhalte und könne Kiew dabei helfen, die Männer anzuschreiben. Die Rückkehr in die Ukraine sollte jedoch "ohne Zwang" erfolgen.
Der Bundesaußenminister wies außerdem Äußerungen seines russischen Kollegen Lawrow zu angeblichen deutschen Kriegsabsichten nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle scharf zurück. "Wir wissen ganz genau, und Sergej Lawrow weiß natürlich auch, dass Russland diese Sache in Leipzig gemacht hat – und dass wir darauf reagiert haben, darauf reagieren mussten", sagte Wadephul mit Bezug auf den Russland zugeschriebenen Anschlagsversuch.
Anfang August war am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden, in deren Nähe sich ukrainische Frachtflugzeuge befanden. Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich und kündigte die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn sowie des russischen Kulturzentrums in Berlin an. Lawrow sagte daraufhin am Sonntag, Berlin wolle "wieder Krieg" gegen sein Land führen. Russland kündigte zudem die Schließung des deutschen Generalkonsulats in St. Petersburg und der Goethe-Institute im Land an.
Wadephul sagte in dem Podcast weiter, dass Lawrow seine Äußerung am Wahltag in Sachsen-Anhalt getätigt habe, sei möglicherweise in der Absicht geschehen, für weitere Verunsicherung zu sorgen. "Wir müssen damit umgehen, dass diese russische Regierung in allen Möglichkeiten, die sie hat, versucht, auf unsere Gesellschaft einzuwirken." Deutschland lasse sich aber nicht einschüchtern.
Lawrows Äußerungen sind nach Ansicht des Ministers auch "Ausdruck einer gewissen russischen Verzweiflung". Der Ukraine-Krieg "sollte in wenigen Tagen erledigt sein – und jetzt ist man im fünften Jahr", sagte Wadephul.
Derweil wurden bei neuen Angriffen mehrere Menschen getötet. Bei einem russischen Drohnenangriff auf einen Kontrollpunkt an der ukrainisch-moldauischen Grenze seien zwei Zivilisten getötet worden, erklärte der Gouverneur der Region Odessa, Oleh Kiper. Drei weitere Menschen seien bei der Attacke in der Nacht zum Mittwoch in Starokosatsche verletzt worden.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte derweil, in der Nacht zum Mittwoch seien 596 Drohnen über rund zehn Regionen und der annektierten Halbinsel Krim abgefangen worden. In Noworossijsk in der südrussischen Region Krasnodar seien vier Menschen getötet worden, erklärte Gouverneur Wenjamin Kondratjew im Onlinedienst Telegram. 29 weitere Menschen seien verletzt worden.
Russland greift die Ukraine seit Beginn seines Angriffskriegs im Februar 2022 fast täglich mit Drohnen und Raketen an. Die Ukraine reagiert mit Angriffen auf russisches Gebiet.
I.Chauvin--PP