Petit Parisien - Merz und Steinmeier suchen in Ostasien neue wirtschaftliche Partner

Paris -
Merz und Steinmeier suchen in Ostasien neue wirtschaftliche Partner
Merz und Steinmeier suchen in Ostasien neue wirtschaftliche Partner

Merz und Steinmeier suchen in Ostasien neue wirtschaftliche Partner

Merz und Steinmeier suchen in Ostasien neue wirtschaftliche Partner. Singapur, Japan, Südkorea: Die drei Stationen der Asienreise, zu der Bundeskanzler Friedrich Merz am Montag aufgebrochen ist, sind zunächst einmal zentrale Bezugspunkte für die deutsche Wirtschaft in Asien.

Textgröße:

Singapur, Japan, Südkorea: Die drei Stationen der Asienreise, zu der Bundeskanzler Friedrich Merz am Montag aufgebrochen ist, sind zunächst einmal zentrale Bezugspunkte für die deutsche Wirtschaft in Asien. Japan und Südkorea sind dort ihre Absatzmärkte Nummer zwei und drei nach China, der Stadtstaat Singapur ist das Handels- und Finanzdrehkreuz, das für Geschäfte in den boomenden Staaten Südostasiens hohe Bedeutung besitzt. Will die deutsche Industrie den Rückgang ihrer Exporte in die Volksrepublik ausgleichen und auch sonst von Beijing ökonomisch etwas unabhängiger werden, dann drängt sich der energische Ausbau der Beziehungen zu ihnen geradezu auf, weshalb Merz eine hochkarätige Wirtschaftsdelegation im Schlepptau hat. Dass darunter auch der Drohnenhersteller Quantum Systems vertreten ist, zeigt: Auch die deutsche Rüstungsindustrie sucht ihre Absatzmärkte auszuweiten. Für Merz aber geht es, das hat er Mitte Oktober in einer Regierungserklärung bekräftigt, zugleich um mehr. Trumps zahllose Attacken haben die Bundesregierung längst auf die Suche nach Staaten getrieben, mit denen sich enger kooperieren lässt, wenn die USA ihren Druck weiter erhöhen. Diese Suche hat zum rasant beschleunigten Abschluss der EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten und mit Indien geführt; sie hat Außenminister Johann Wadephul Ende vergangener Woche zu einem Treffen mit den Ländern des Mekka-Abkommens nach Istanbul bewegt; und sie steht – neben den ökonomischen Aspekten – auch hinter Merz’ aktueller Asienreise. Die Aussichten sind nicht schlecht: Japan und Südkorea werden gleichfalls von Trump attackiert, und sie haben erst kürzlich erfahren, dass – um nur ein Beispiel zu nennen – Washington hochmoderne Raketenabwehrsysteme, wenn sie im Iran-Krieg benötigt werden, ohne Rücksprache aus Ostasien nach Mittelost verlegt und Tokio und Seoul im potentiellen Raketenhagel stehen lässt. Erfahrung macht klug.

Bleibt die Frage, inwieweit Merz’ Reise ein Affront gegen China ist. Immerhin finden etwa deutsche Drohnen, sofern Quantum Systems sein Ostasiengeschäft ausbauen kann, ihren Weg zu Gegnern der Volksrepublik. Am Montag ist auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Asien aufgebrochen – und zwar nach Beijing, wo er Verhandlungen über die wirtschaftlichen Spannungen zwischen der EU und China und über mögliche Lösungswege führen will. Er federt also die Reise des Kanzlers ab: Berlin will, zumindest vorläufig, beides – profitable Wirtschaftsbeziehungen zu China und enge Bindungen zu dessen Gegnern.

O.Philippe--PP