Infantinos Investorenplan: FIFA-Experte fordert Aufarbeitung
Hans-Joachim Eckert, ehemaliger Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, hat nach dem Treffen der Spitze des Weltverbandes in Marokko eine umfassende und transparente Aufklärung möglicher Vorverträge im Zusammenhang mit den von Gianni Infantino vorangetriebenen Investorenplänen gefordert. Eckert sieht in der FIFA-Stellungnahme vom Mittwochabend, in der Infantino Rückendeckung ausgesprochen wurde, den Versuch, mögliche Fehler auf einzelne Verantwortliche abzuwälzen, ohne den Präsidenten direkt zu belasten.
In dem Statement habe es geheißen, "es wurden Fehler begangen. Es wurden Fehler begangen, heißt für mich als Jurist: Da wollen wir mal schauen, ob man nicht irgendjemanden bei der FIFA findet, der da Fehler begangen hat, aber nicht Infantino", sagte der 78-Jährige bei RTL/Sky.
Der Schwabe führte aus: "Bisher stellt es sich so dar, als wäre es ein Alleingang gewesen. Als hätte Herr Infantino vielleicht in Absprache auch mit dem Umfeld von Herrn Trump diese Idee der noch besseren Vermarktung der FIFA entwickelt. Ich habe gelesen, es habe Vorverträge gegeben. Vorverträge führen zu rechtlichen Bindungen."
Mögliche Verluste für die FIFA müssten ausgeglichen werden, Vorverträge könnten hier eine Rolle spielen, erklärte der Jurist: "Es kommt darauf an, was drinsteht. Ist es eine Absichtserklärung oder ist es bereits ein Vorvertrag in der Form, dass man festlegt, wie das Ganze ablaufen soll? Wer, wann, wo und wie was zahlt? Welche Anteile tatsächlich verkauft werden? Dann ist das schon relativ weit gediehen. Und je weiter es rechtlich gediehen ist, desto schwieriger wird es für Infantino."
Das Problem sei: "Wie sehr hat Infantino diese Übernahme von FIFA-Anteilen vorangetrieben? Zu welchen Bedingungen? Und hier wird man die Verträge brauchen. Hier gibt es überhaupt nichts anderes als völlige Transparenz. Und das erwarte ich auch von der FIFA als Kernmannschaft."
Ein Alleingang Infantinos, sollte sich dieser stichfest bewahrheiten, wäre "ein massiver Vertrauensbruch" für Eckert, der von 2012 bis 2017 die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission geleitet hatte und unter Infantino (seit 2016 an der FIFA-Spitze) sein Amt verlor. Dass gewisse Verbände weiter zum 56-jährigen Schweizer hielten, liege "am Geld, ganz einfach", sagte Eckert.
B.Fabre--PP