Ukraine wirft USA Unterstützung Russlands vor - Kontroverse um Starlink-Drosselung
Wegen angeblich fehlender Warnungen vor russischen Luftangriffen hat ein ranghoher Vertreter der ukrainischen Regierung den USA vorgeworfen, Russland im Krieg gegen sein Land zu unterstützen. Es sei "offensichtlich", dass Russland "aus irgendeinem Grund" geholfen werde, sagte der Regierungsvertreter am Mittwoch. Bei neuen russischen Angriffen wurden mindestens 14 Menschen in der Ukraine getötet. Russland warf seinerseits der Ukraine Angriffe auf zwei Raffinerien vor.
"Es war bereits zweimal so, dass uns die Amerikaner nicht über den Start russischer Raketen informiert haben, als unser Energiesektor attackiert wurde", sagte der ukrainische Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP in Kiew. "Obendrein haben sie die Geschwindigkeit von Starlink gedrosselt", führte er weiter aus.
Zuvor hatte der Technologieberater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Serhij Beskrestnow, erklärt, dass der Betrieb des US-Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in der Nacht zum Mittwoch stark eingeschränkt gewesen sei. Dies habe zum Scheitern ukrainischer Angriffe geführt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte nach russischen Angriffen in der Nacht, sein Land sei von den Verbündeten "wieder einmal" nicht rechtzeitig gewarnt worden. Ein weiterer ukrainischer Regierungsvertreter sagte der AFP, die Starlink-Störung helfe Russland.
Die Ukraine ist in ihrem Abwehrkampf gegen russische Angriffe stark auf westliche Geheimdienstinformationen angewiesen, insbesondere aus den USA. Medienberichten zufolge hatte Washington damit gedroht, die Übermittlung dieser Informationen einzustellen.
Das vom Konzern SpaceX des US-Milliardärs Elon Musk betriebene Starlink-System nutzt die ukrainische Armee wiederum für ihre Kommunikation an der Front. Musk hat seine Haltung gegenüber der Ukraine seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs vor mehr als viereinhalb Jahren mehrfach geändert.
Ein US-Regierungsvertreter bestritt, dass sich die Position Washingtons gegenüber Kiew in Bezug auf den Austausch von Geheimdienstinformationen verändert habe. Nato-Generalsekretär Mark Rutte bestätigte, US-Präsident Donald Trump habe versichert, dass der Austausch der Informationen nicht gestoppt worden sei.
Auch die EU erklärte, ihr lägen "keine Anzeichen" dafür vor, dass Washington die Weitergabe dieser Informationen eingestellt habe. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sagte in Berlin, er erkenne nicht, dass es "eine substanzielle Verringerung" der US-Unterstützung gebe.
Wegen der infolge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Kraftstoffpreise steht Trump kurz vor den US-Kongresswahlen unter starkem Druck. Er verlangte deshalb unlängst ein Ende der ukrainischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Russland und kündigte an, trotz geltender Sanktionen russische Diesel-Importe in die USA zuzulassen. Ferner verkündete er eine "Energie-Waffenruhe" Russlands und der Ukraine - von der Selenskyj bei der Bekanntgabe durch Trump nach eigenen Angaben aber nichts wusste.
Der Kreml rechnet "in den nächsten Tagen" mit der Unterzeichnung erster Diesel-Lieferverträge mit den USA, wie der Sondergesandte Kirill Dmitrijew laut russischen Nachrichtenagenturen sagte. Zwölf US-Senatoren warfen Trump wegen des Diesel-Deals "Verrat" am ukrainischen Volk vor, darunter waren sechs Senatoren von Trumps Republikanern. Mit dem Diesel-Deal setzt sich Trump über die vom Westen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten Russland-Sanktionen hinweg.
Russland setzte derweil seine Angriffe auf die Ukraine fort. Bei einem seltenen Drohnenangriff im Westen des Landes wurden in Luzk nach Behördenangaben mindestens sechs Menschen in einem Warenlager getötet.
In der Hauptstadt Kiew wurden nach ukrainischen Angaben mindestens fünf Menschen getötet sowie dutzende weitere verletzt. Getroffen wurde in Kiew auch ein Heizkraftwerk, wodurch in vielen Stadtteilen die Strom- und Wasserversorgung ausfiel. Bei anderen russischen Angriffen in verschiedenen Landesteilen wurden drei weitere Tote gemeldet.
Der russischen Behörden meldeten ihrerseits ukrainische Luftangriffe. Energieminister und Vizeregierungschef Alexander Nowak sagte laut Nachrichtenagenturen, die Ukraine habe mit Drohnen zwei Ölraffinerien in den Regionen Saratow und Rjasan angegriffen. Damit sei die von Trump bekanntgegebene "Energie-Waffenruhe" verletzt worden. Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn wies die Vorwürfe zurück.
Im südrussischen Balakowo wurde laut einem Medienbericht ein Rechenzentrum der größten russischen Bank Sberbank von einer Drohne getroffen. Dabei sei ein Mensch getötet worden.
V.Roy--PP