Iranischer Regisseur Panahi fürchtet Opferung des iranischen Volkes bei Atomgesprächen
Der preisgekrönte iranische Filmemacher Jafar Panahi hat die Sorge geäußert, die Interessen des iranischen Volkes könnten bei den Gesprächen zwischen Vertretern der USA und des Iran am Freitag im Oman geopfert werden. "Das Volk hat in diesen Verhandlungen keinen Vertreter, und seine Interessen werden nie berücksichtigt", sagte Panahi am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in Paris. Das iranische Volk könne "leicht" geopfert werden.
Panahi, der seine Unterstützung für die Proteste gegen die iranische Regierung im vergangenen Monat ausgesprochen hatte, blickte ohne Zuversicht auf die geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran. "Was auch immer bei diesen Verhandlungen geschieht, es wird nicht zum Vorteil des Volkes sein", sagte er AFP.
Die jüngste Protestwelle im Iran hatte Ende Dezember begonnen. Sie entzündete sich zunächst an der schlechten Wirtschaftslage, richtete sich dann aber rasch gegen die Machthaber der Islamischen Republik. Die Führung in Teheran ließ die Demonstrationen im Januar gewaltsam niederschlagen.
Die in den USA angesiedelte Menschenrechtsorganisation Hrana konnte nach eigenen Angaben bislang mehr als 6800 Tote bestätigen, darunter dutzende Kinder. Die iranische Führung spricht von mehr als 3000 Toten. Einige Menschenrechtsgruppen gehen von bis zu 30.000 Todesopfern aus.
Panahi äußerte sich schockiert über die Opferzahlen. "Diese Zahl sprengt jede Vorstellungskraft", sagte er AFP. Die iranische Regierung habe jegliche Legitimität verloren. "Dieses Massaker ist die endgültige Bestätigung", sagte der Regisseur.
Für Freitag sind in Omans Hauptstadt Maskat Gespräche zwischen ranghohen Vertretern Teherans und Washingtons geplant. Teheran besteht darauf, dass sich die Gespräche auf die Atomfrage und die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran beschränken. Die USA und Israel drängen dagegen auf die Ausweitung der Verhandlungen, etwa auf Irans Raketenprogramm. Westliche Staaten werfen dem Iran vor, nach der Atombombe zu streben.
US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf die Führung in Teheran in den vergangenen Wochen massiv erhöht. Er schickte Flugzeugträger in die Region und drohte der Führung in Teheran mit einer Militärintervention.
Der 65-jährige Panahi war im Dezember vergangenen Jahres in Abwesenheit wegen "Propaganda-Aktivitäten" gegen den Iran zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Er wurde zudem mit einem zweijährigen Reiseverbot belegt. Panahi betonte jedoch gegenüber AFP, er plane, in den Iran zurückzukehren. "Es ist meine Heimat und ich werde in mein Land zurückkehren", sagte er.
Panahi saß im Iran bereits im Gefängnis, 2010 knapp drei Monate und 2022 und 2023 etwa sieben Monate lang. Die iranischen Behörden hatten Panahi zudem jahrelang mit einem Berufs- und Ausreiseverbot belegt. Beim Filmfestival in Cannes im vergangenen Mai war es Panahi zum ersten Mal seit 15 Jahren gelungen, persönlich in der französischen Küstenstadt zu erscheinen.
H.Lecomte--PP